Denn sie wissen nicht, was sie tun

Auch wenn die Einschaltquoten mit 2,7 Millionen Zuschauern und 12,1 % Marktanteil nicht gerade gut für einen Polizeiruf Film war möchte ich dies auf den mehr als ungewöhnlichen Sendeplatz der Erstaustrahlung schieben. An einem Sonntag 20:15 Uhr wären wesentlich mehr Zuschauer dabei gewesen, mit Sicherheit. Dieser typische Sonntags-Termin ist halt beim Fernsehzuschauer im Kopf!

Von völligem Zerriss bis zu absoluten Jubelarien hat es ja wieder alles an Beurteilung für diesem Film gegeben, wobei die Presse (außer das Blatt mit den vier Buchstaben) fast einhellig positiv über dies durchaus interessanten Ansatz einer Kombination aus typischen Kriminalfilm und eines Politdramas berichtete.

Für mich war gerade die Spielart dieses Films außergewöhnlich, wie die Atmosphäre des verqualmten Tunnels, sehr lange Gesprächspassagen der Hauptakteure Hanns von Meuffels und des Täters Mahmud Nasiri, welche einen sehr starker Spannungsbogen aufbauten. Die Nebenschauplätze, wie das Verantwortlichkeitsgerangel der politischen und der staatlichen Stellen, was auf einer ganz anderen Ebene stattfand wie das rein menschliche der Polizeibeamten, hat sehr stark zum nachdenken angeregt. Ein kleiner Nebenschauplatz war für mich eines der beeindruckendsten Szenen des ganzen Filmes. Die Kontaktaufnahme mit der Mutter des Täters durch die jungen Polizistin Anna Burnhauser war eine typische Reaktion der breiten Masse auf solch komplizierten Verwebungen der Gewalt. „Ich habe jetzt eine ganz normale Familie (Was ist das eigentlich?) und möchte mit all dem nichts zu tun haben! Dieser Satz an sich hatte schon sehr viel „Sprengstoff“ in der sehr theatralischen Art und Weise seiner Wiedergabe. Zudem wurde dieser nicht weiter kommentiert und moralisch versucht zurechtzurücken. Einfach wunderbar uns sehr nachdenklich dieser Moment. Wie auch die Einstiegsszene des Films mit dem Selbstmord des Kindervergewaltigers, wo einfach alles drin war, nur keine Beurteilung der Situation selber …

Jetzt zu sagen das dieser Film durch seine präsentierte Gewalt gelebt hat wäre sehr kleinkariert, denn er hat von vielen unausgesprochenen und unkommentierten Situationen gelebt, was einfach nicht die Normalität eines deutschen Fernsehkrimis ausmacht. Es kann nur den Kommentar geben: „Leute denkt über das Gesehene nach und bildet euch eure eigene Meinung!“.
Nichts mit Altersbegrenzung … nur weil „Gut“ und „Böse“ nicht ausgesprochen wird soll dieser Film nicht für junge Leute geeignet oder vielleicht weil unsere staatlichen Organe mit der Situation nicht klar gekommen sind? Dafür gibt es aber schon genug reale Beispiele, wie das Film angesprochene Attentat zu den Olympischen Spielen in München oder auch das Chaos zur Loveparade in Duisburg, da brauchen junge Zuschauer nicht unbedingt diesen Film!

Im Übrigen gibt es diesen Film den ganzen Tag, egal zu welcher Uhrzeit, zum Download und als Livestream in der Mediathek. Da wird die ganze Diskussion zur Alterseinstufung eh hinfällig …

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Filme.

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